HEIMAT, 2025
Stahl, lackiert, Isolatoren, Weidezaundraht, Weidezaungerät (9V), Erdungskabel, Erdungsstab, 100 x 100 x 100 cm
[…] Rein formal betrachtet, erinnert das Werk an Skulpturen der amerikanischen Minimal Art, besonders an die „Incomplete Open Cubes“ von Sol LeWitt aus den 1970er-Jahren – wie die Lackierung ein ästhetisches Kennzeichen mit Retro-Charakter. Beide signalisieren Urbanität und stehen damit in eigentümlichem Kontrast zum ländlichen Charakter des Weidezauns. Durch die Präsenz der Isolatoren, des in zwei Reihen umlaufenden Drahts und des Weidezaungeräts, das mit beharrlichem Ticken elektrische Impulse aussendet, wird die strenge Form mit einer schwer zu bestimmenden Inhaltlichkeit aufgeladen: Etwas Unangenehmes, Bedrohliches geht von der Glätte und Kälte des Objekts und nicht zuletzt von seiner elektrischen Aufladung aus.
Ein Weidezaungerät – für welche Tiere eigentlich? Schon mit einem einzigen Schaf darin wäre das umzäunte Gebilde hoffnungslos überfüllt. Diese Vorstellung, die sich beim Betrachten unmittelbar aufdrängt, verleiht Erbachers Arbeit eine absurde Note, eine gewisse unterkühlte Komik. Und dann trägt das Ganze den historisch und gesellschaftspolitisch völlig überdeterminierten Titel „Heimat“.
[…] Zum Gedanken an die Heimat gehört untrennbar die Vorstellung, dass sie bedroht sei und geschützt werden müsse: politisch gegen rechts oder links, vor Gefahren von außen oder von innen, vor dem Fortschritt oder dem Stillstand. An diesen Begriff setzen sich allerlei ideologische Versatzstücke an und bilden eine schwer durchdringbare Patina. Dass Maximilian Erbacher diesen komplexen Begriff mithilfe eines nur vermeintlich einfachen Objekts zum Thema macht, ohne sich auf eine These festzulegen, ist besonders hervorzuheben. Dadurch bleibt es, über seine visuelle Präsenz hinaus, lange im Gedächtnis, irritiert, verstört und regt allemal zum Diskurs an. Das macht es zu einem politischen Kunstwerk – und das ist etwas völlig anderes als die bloße Illustration einer vorgefassten politischen Meinung. (Peter Lodermeyer, 2025)
Veröffentlichung in: Vorgebirgspark Skulptur 2015-2025, IG Kunst im Park, Köln 2025, 112 S.







